Auftaktsitzung der Fachkräfteallianz Sindelfingen: Schulterschluss für die Fachkräftesicherung
Wie kann die Fachkräftesicherung am Standort Sindelfingen nachhaltig und zielgerichtet gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Auftaktsitzung der Fachkräfteallianz, zu der Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Arbeitsmarktinstitutionen, Verbänden und Verwaltung im Sindelfinger Rathaus zusammenkamen. Die Fachkräfteallianz bildet das Herzstück der kürzlich von der Wirtschaftsförderung Sindelfingen GmbH (WSG) entwickelten Strategie zur Fachkräftesicherung. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Markus Kleemann wurde nun der Startschuss für eine strukturierte, langfristige Zusammenarbeit gegeben.
„Die Sicherung qualifizierter Fachkräfte ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben für Sindelfingen. Mit der Fachkräfteallianz schaffen wir ein starkes Netzwerk, das unterschiedliche Perspektiven zusammenführt und gemeinsam Verantwortung übernimmt. Dieser Schulterschluss ist ein wichtiger Schritt, um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen und die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts zu sichern. Ich danke allen Beteiligten für den offenen Austausch und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit“, sagt Markus Kleemann, Oberbürgermeister der Stadt Sindelfingen und Schirmherr der Fachkräfteallianz.
Gemeinsame Ziele und erste Maßnahmen
Die Fachkräfteallianz dient als Netzwerk, das Kräfte bündelt, Wissen teilt und praxisnahe Lösungen entwickelt. In der Auftaktsitzung diskutierten die Teilnehmenden vier zentrale Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen:
- Fachkräftegewinnung und -bindung: Durch gezieltes Standortmarketing soll Sindelfingen als attraktiver Wohn- und Arbeitsort positioniert werden. Bestehende Angebote sollen ausgebaut und Unternehmen nähergebracht werden: Das digitale Standortprofil von Famigo, beispielsweise, wird Sindelfinger Unternehmen bereits kostenlos zur Verfügung gestellt.
- Fachkräfteentwicklung: Die Veränderungen im Arbeitsmarkt bedürfen zielgerichteter Qualifizierungsinitiativen innerhalb der Unternehmen. Diese sollen bei Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt werden, insbesondere in den Bereichen KI, Digitalisierung und Automatisierung. Die WSG prüft hierfür Kooperationen mit regionalen Angeboten und Initiativen.
- Unternehmensnachfolge: Laut dem KfW „Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025“ erwägt jedes vierte kleine oder mittelständische Unternehmen die Stilllegung, sobald die Senior-Generation den Betrieb verlässt. Angesichts dessen sollen Unternehmen rechtzeitig bei der Suche nach Nachfolgern unterstützt werden. Die WSG wird sich künftig am Round Table „Generationen- und Nachfolgeplanung“ der IHK-Bezirkskammer Böblingen und der Kreishandwerkerschaft Böblingen beteiligen.
- Vernetzung von Bildung und Wirtschaft: Jugendliche sollen beim Übergang von Schule in Beruf unterstützt werden, etwa durch die Vermittlung von Praktika und vereinfachte Bewerbungsprozesse. Zudem ist der Ausbau der Zusammenarbeit mit Formaten wie der Azubimesse Sindelfingen geplant, nachdem die WSG in diesem Jahr erstmals als Kooperationspartner beteiligt ist.
„Die Auftaktsitzung der Fachkräfteallianz markiert den Startpunkt für eine langfristig angelegte Zusammenarbeit. Unser Anspruch ist es, die Fachkräfteallianz als lebendige Plattform zu etablieren, die regelmäßig zusammenkommt, Impulse setzt und Maßnahmen weiterentwickelt. Die Vielfalt der Perspektiven aus Wirtschaft, Bildung und Verwaltung ist dabei ein großer Gewinn. Die erste Sitzung lieferte konkrete Ideen und Maßnahmen, die wir weiterverfolgen und vorantreiben werden“, sagt Felix Rapp, Geschäftsführer der WSG. Die WSG übernimmt die Koordination der Fachkräfteallianz und treibt die Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen aktiv voran.
Breites Bündnis aus Wirtschaft, Bildung und Verwaltung
An der Auftaktsitzung der Fachkräfteallianz nahmen neben Oberbürgermeister Markus Kleemann und Wirtschaftsförderer Felix Rapp folgende Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Bildung und Verwaltung teil. Die IHK-Bezirkskammer Böblingen und die Kreishandwerkerschaft Böblingen stehen der Fachkräfteallianz mit ihrer fachlichen Expertise zudem beratend zur Seite.
- Liane Papaioannou, Erste Bevollmächtigte, IG Metall Stuttgart
- Ergun Lümali, Betriebsratsvorsitzender am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen, Mercedes-Benz AG
- Dr. Nicole Gietzen, Senior Manager HR & Personalleiterin Produktion Sindelfingen, Mercedes-Benz AG / Werk Sindelfingen
- Ulrich Harm, Vice President Corporate Human Resources, BITZER Kühlmaschinenbau GmbH
- Gunnar Schwab, Vorsitzender der Geschäftsführung, Agentur für Arbeit Stuttgart
- Silke Haverland, Geschäftsstellenleiterin, Agentur für Arbeit Böblingen
- Dr. Sabine Stützle-Leinmüller, Leiterin Geschäftsbereich Fachkräfte, Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH
- Christine Koppenhöfer, stellvertretende Kreiswirtschaftsförderin, Landratsamt Böblingen
- Georg Patzek, Kreisvorsitzender, Deutscher Gewerkschaftsbund Kreisverband Böblingen
- Dr. Christian Hopf, Schulleiter, Gottlieb-Daimler-Schule 2
- Jürgen Patermann, Schulleiter, Gottlieb-Daimler-Schule 1
- Lisa Bartetzko, zweite Vorsitzende des GHV Maichingen e.V.
„Fachkräftesicherung gelingt nur im Schulterschluss aller Beteiligten – Unternehmen, Beschäftigte, Bildungseinrichtungen und öffentliche Akteure. Deshalb halten wir den gemeinsamen Ansatz der Fachkräfteallianz Sindelfingen für genau richtig. Sie setzt ein wichtiges Signal, um Qualifizierung, Beschäftigungssicherung und gute Arbeit im Transformationsprozess frühzeitig mitzudenken. Als Betriebsrat unterstützen wir diesen Weg und bringen die Perspektive der Beschäftigten aktiv ein“, sagt Ergun Lümali, Betriebsratsvorsitzender am Mercedes-Benz Standort Sindelfingen.
„Wir freuen uns, Teil der Fachkräfteallianz zu sein und schätzen den Austausch sehr“, sagt Ulrich Harm, Vice President Corporate Human Resources bei BITZER. „Als globales Unternehmen mit starkem Bekenntnis zum Standort Sindelfingen legen wir besonderen Fokus auf die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte aus der Region.“
Drei Impulsvorträge setzten im Rahmen der Auftaktsitzung fachliche Akzente und lieferten die Grundlage für die anschließende Diskussion. Gunnar Schwab, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stuttgart, beleuchtete die aktuelle Lage des Arbeitsmarktes im Landkreis Böblingen, der sich im Spannungsfeld zwischen Stellenabbau und Arbeits- sowie Fachkräftebedarf befindet. Dr. Sabine Stützle-Leinmüller, Leiterin Geschäftsbereich Fachkräfte bei der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, stellte regionale Handlungsfelder wie Qualifizierung, internationale Fachkräfte und die Arbeitsmarkt-Drehscheiben vor. Die Schulleiter Jürgen Patermann und Dr. Christian Hopf beleuchteten aktuelle Herausforderungen beim Übergang von Bildung in Beruf sowie Perspektiven zur Verbesserung von Praktika, Berufsvorbereitung und Ausbildung.
„Bei der Vermittlung von Praktika für unsere Schülerinnen und Schüler der Vollzeitbildungsgänge wünsche ich mir noch mehr Unterstützung aus der Wirtschaft. Das gilt insbesondere für die Ausbildungsvorbereitung dual – kurz AVdual. Hier steht an beiden Schulen eine Person als AVdual-Begleiter als Ansprechpartner auch für interessierte Betriebe zur Verfügung. Ziel ist es, noch mehr Schüler aus dem AVdual direkt in eine betriebliche Ausbildung zu vermitteln. Praktika sind für beide Seiten eine sehr gute Möglichkeit zum Kennenlernen“, sagt Jürgen Patermann, Schulleiter der Gottlieb-Daimler-Schule 1.
„Damit beim Übergang ins Berufsleben niemand verlorengeht, bleibt eine gute Mischung aus Fördern und Fordern immens wichtig. Alle Beteiligten müssen ihren Beitrag leisten. Wir bieten an den Beruflichen Schulen sehr gute Rahmenbedingungen für den Start in eine berufliche Karriere. Gleichzeitig adressieren wir unsere fachlichen und persönlichen Erwartungen an die Fachkräfte von morgen und fordern Anstrengung und Leistungsbereitschaft ein“, ergänzt Dr. Christian Hopf, Schulleiter der Gottlieb-Daimler-Schule 2.
Erste Maßnahmen der WSG bereits in Umsetzung
Neben den Maßnahmen, die im Rahmen der Fachkräfteallianz entwickelt werden, plant die WSG bereits weitere Projekte und setzt erste Aktionen um. Dazu zählen neue Veranstaltungs- und Austauschformate für Unternehmen sowie die Bereitstellung von Leitfäden und Informationsangeboten zur Fachkräftesicherung. Mit Beteiligungen an der Azubimesse Sindelfingen und mit dem Studiencampus Sindelfingen, der die dualen Studiengänge Soziale Arbeit und Public Management anbieten wird, werden wichtige Beiträge zur nachhaltigen Fachkräftegewinnung geleistet.
Die Fachkräfteallianz soll künftig regelmäßig tagen, um Maßnahmen fortlaufend zu prüfen, weiterzuentwickeln und den aktuellen Herausforderungen anzupassen. Fragen zur Fachkräftestrategie der WSG beantwortet Janina Rauch, Projektleiterin Industrie, Handwerk, Gewerbe, Dienstleistung bei der WSG, per E-Mail an janina.rauch@sindelfingen.org oder telefonisch unter 07031 / 688 42 23.

Foto: Die Fachkräfteallianz bildet das Herzstück der kürzlich von der Wirtschaftsförderung Sindelfingen GmbH (WSG) entwickelten Strategie zur Fachkräftesicherung. Copyright: WSG / Benjamin Knoblauch
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